Lebendig

Heftige Gewitter, viel Regen. Spannung ist immer noch greifbar. Es ist nicht schwül, doch ich glaube an weitere Gewitter. Jeden Abend laufe ich eine Runde, die Luft riecht so gut – frisch und klar. Das Grün der Gräser, Sträucher und Bäume scheint satter. Auf Pfützen und unserem kanalisiertem Flüsschen schwimmt Pollen in einer dicken Schicht. Eine Entenmutter lotst ihre winzigen, noch ganz jungen Kücken durch die Strömung. Blütenduft von Flieder und Blauregen hängt schwer in der Luft. Woher so plötzlich?

Verabredungstaumel! Keinen hält es alleine in seiner Wohnung. Grillkohlen glühen scheinbar ohne Unterbrechung. Leute sprechen, lachen lauter. Auch die Farben sind lauter. Rot. Gelb. Rosa (ich hasse es, doch heute liebe ich es). Keine schwarzen Winterjacken mehr. Endlich. Tische auf Terrassen und Bürgersteigen sind zum Bersten gefüllt. Kellnerinnen kommen ins schwitzen.

Lauter Eindrücke prasseln auf mich ein. Wie eine Strömung umspült es mich. Manchmal tauche ich ein, schwimme mit, drehe und wende mich, muss nicht auftauchen. Manchmal stehe ich still. Es zieht an mir, stößt mich in Richtungen, rauscht über meinen Kopf. Ich sehe es, sehe vieles, aber ich kann nicht Teil sein. Ich müsste mich auflösen, doch ich bin fest.

Wer hat Leben auf doppelte Geschwindigkeit gestellt?

Bis Montag.

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