Persönlich
Wut

Es geht mir nicht gut. Ich war die ganze Nacht auf, weil mir viele schwierige Dinge durch den Kopf gehen. Eben bekam ich (endlich) Post von meinem Ex-Arbeitgeber mit den letzten Abrechnungen, der Lohnsteuerkarte etc. Die Krönung? (neben dem Herzlichen Glückwunsch auf der Abrechnung) Ich bekomme sogar einen Bonus für das letzte Quartal. Was lernen wir daraus? Du kannst deine Arbeit qualitativ so gut machen, wie es nur geht, du kannst zuverlässig sein und flexibel, die Kunden können dich lieben. Solange du aber im Durchschnitt 14 Sekunden zu langsam bist, ist das alles scheißegal, du bist weg vom Fenster.
Hat mich wohl doch alles etwas mehr getroffen, als ich dachte.
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Ich bin jedenfalls wirklich, wirklich froh, heute nur sehr wenig gefahrlos Verzehrbares im Haus Wohnklo zu haben. “Frustfressen” wäre sonst nicht mal annähernd treffend.
Bild: Wikipedia
Kalorienreiches Familientreffen
Vergangenen Freitag feierte meine Großmutter ihren 81 Geburtstag. Zu diesem Zweck fand ein dreitägiges Familientreffen im Haus meiner Mutter statt. Wobei Familientreffen hier als Synonym für Fressorgie verstanden werden muss. Verständlich, dass im Vorfeld wahre Horrorszenarien durch mein Hirn schossen. Ich sah mich schon mit 10 neu dazu gekommenen Kilos nach Hause zurückkehren. (Erwähnte ich bereits meine blühende Phantasie und deren Hang zur Übertreibung?)
Nun, so schlimm war es nicht. Es half das grottenschlechte Restaurantessen am Freitagabend (nicht zu vergessen der miserable Service). Samstag und Sonntag war zwar Schlemmen angesagt, doch gelang es mir, mich ein bisschen zurückzuhalten. Zur Belohnung zeigte die Waage heute Morgen 86,9 Kilo an. Eine Zunahme von 400g seit letztem Donnerstag. Bedenkt man normale Gewichtsschwankungen und die herannahende Periode, kann ich damit zufrieden sein.
Vorgeschichte

Ich war ein kräftiges Kind, kein fettes, aber ich kam mir immer fett vor. Meine Eltern trennten sich, wir zogen in ein anderes Bundesland. Während der Umzug im vollen Gange war, hatte ich einen Reitunfall. Kopfverletzung, Krankenhaus, 1-jähriges Verbot jeglicher Bewegung, die über langsames Gehen hinausging. In diesem Jahr nahm ich zwanzig Kilo zu. Die Kilos blieben.
Später machte ich sechs Wochen Kur in einem Kinderkurheim. Ich hatte diese Kur gewollt – bis zu dem Zeitpunkt, als ich die Station sah. Es war grausam. Sechs Kilo nahm ich ab. Langsam, aber beständig legte ich zu und zu und zu. Ich nahm an einem Programm unserer Hausärztin teil. Pulverfressen unter ärztlicher Anleitung. Nach zwei Wochen musste beim Gedanken an das Pulver fast erbrechen. Ob und wieviel ich dabei abnahm, weiß ich nicht mehr.
Als ich zwanzig war, wollte ich meine Cousine nach Thailand begleiten. Land der kleinen Leute. Ich nahm zehn Kilo ab – von 91 auf 81 Kilo. Der Sommer war toll. Ich fühlte mich gut und schön und grossartig. Es half, dass Thais nicht mit Komplimenten sparen. Im Anschluß an diesen Sommer traf ich eine wichtige Entscheidung. Danach kehrte der alte Trott wieder ein.
Drei Jahre später ging ich zu den Weight Watchers. Mein Startgewicht? 97 Kilo. Der Schock, den ich in diesem Moment empfand, half konsequent zu bleiben. Innerhalb eines Jahres nahm ich 24 Kilo ab und hielt das Gewicht ein paar Monate. Danach gings wieder aufwärts.
Mit einem Startgewicht von 88,4 Kilo beginne ich neu. Es soll das letzte Mal sein. Etwas ist diesmal anders. Ich akzeptiere, dass ich Ängste und Schwächen habe, die mir im Wege stehen. Nicht nur bei der Abnahme, sondern in vielen Bereichen meines Lebens. Ich weiß das jetzt.
Mein Ziel ist nicht ein dünneres, sondern ein gesünderes, fröhlicheres und stärkeres Ich.
Schokolade – nichts für meine Seele
Ein Blick auf die von mir großmäulig “Erfolgskurve” genannte Tabelle läßt erahnen, dass die ersten zwei Monate meines Abnehm-Abenteuers nicht gerade von Erfolg gekrönt waren.
Dennoch gibt es Fortschritte:
Hätte ich vor wenigen Wochen die Nachricht erhalten, der Vertrag meines heißgeliebten Jobs werde nicht verlängert, wären a) fünf Tafeln Schokolade in kürzester Zeit verschlungen gewesen, hätten diese im Anschluß b) Übelkeit und c) ein furchtbar schlechtes Gewissen erregt und d) letztendlich nicht geholfen.
Heute hat ein Riegel ausgereicht. Geholfen hat er zwar auch nicht, aber dafür geschmeckt.
Bild: Wikipedia
Gefühlte 88,4 Kilo – ein Selbstportrait.
In Ermangelung einer Digicam griff ich zum digitalen Buntstift. Mein offizielles Vorher-Bild:
Gefühlte 88,4 Kilo bei einer Größe von 1,65 und einem Alter von 25 Jahren.
Klappe, die Erste!
Oh, es ist hart! So hart, wenn man nach langer Zeit das erste Mal auf der Waage steht und 88,4 angezeigt bekommt. So hart, wenn die Lieblingshose reißt und man merkt, dass man eigentlich keine andere passende Hose mehr besitzt.
(Mein Kleiderschrank führt derzeit Hosen in zwei Größen: Zu eng (mit Gequetsche geht’s so gerade noch) und viel zu eng (passen nicht mal mehr über die Hüften).
So, 88,4 Kilo. Das ist viel. Jedenfalls schwerer, als ich mal war. Aber (und hier kommt der Lichtblick) ich wog auch schon mal mehr. Fast neun Kilo mehr, um genau zu sein. Und da will ich nicht noch einmal hin.
Das ist alles, was ich weiß: Ich will nie mehr 97 Kilo wiegen. Ich will nie mehr über 90 Kilo wiegen. Am liebsten möchte ich unter 70 Kilo wiegen.
Ein langer Weg bis zum Ziel. Wie ich dahin komme? Noch weiß ich es nicht. Ich fange einfach an. Heute mache ich den ersten Schritt.
Ich bin Laura. Ich habe abgenommen. Und dann zugenommen. Und wieder abgenommen. Meine letzte Abnahme hat ehrliche